Eltern sein ist wunderschön – aber auch herausfordernd. Besonders, wenn beide Elternteile arbeiten, wird der Alltag schnell zu einem komplexen Puzzle aus Job, Kita-Zeiten, Freizeitaktivitäten der Kinder und eigenen Bedürfnissen. Ein bisschen Stau auf dem Arbeitsweg oder ein spontanes Meeting – und schon gerät der sorgfältig abgestimmte Plan ins Wanken. Ganz zu schweigen von der berüchtigten Kita-Anruf-Kombination: „Ihr Kind ist krank, bitte holen Sie es ab.“
Für uns ist klar: Wir wollen nicht nur Eltern sein, sondern auch berufstätig bleiben. Arbeit ist für uns nicht nur ein Muss, sondern auch etwas, das uns erfüllt. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf Gleichberechtigung – und das bedeutet, dass nicht automatisch einer von uns allein für Kinderbetreuung oder Haushalt verantwortlich ist. Doch wie schafft man es, Familie und Beruf so zu organisieren, dass es für alle passt?
Unsere Lösung: Flexible Arbeitszeiten und geteilte Elternzeit
Wir haben unsere Elternzeiten immer bewusst aufgeteilt – meistens neun Monate ich, fünf Monate mein Mann – und danach wieder gearbeitet. Beim ersten Kind starteten wir beide mit 40 Stunden, merkten aber schnell, dass das zu viel war. Also reduzierten wir zunächst auf 37 und 35 Stunden, später – nach der Elternzeit mit unserem zweiten Kind – auf 35 und 34 Stunden. Nun bin ich mit unserem dritten Kind in Elternzeit, während mein Mann 40 Stunden arbeitet. Doch nach seiner kommenden Elternzeit wird auch er reduzieren, sodass wir beide etwa 30 bis 32 Stunden arbeiten.
Gleichberechtigung von Anfang an
Für uns war es schon vor den Kindern selbstverständlich, Arbeit und Haushalt gemeinsam anzugehen. Genauso klar war für mich, dass ich nach der Elternzeit wieder arbeiten möchte – nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern weil ich einfach gerne arbeite. Gleichberechtigung ist ein zentraler Wert für uns, den wir auch unseren Kindern mit auf den Weg geben wollen. Und das lebt man am besten vor.
Familienorganisation: Ein ständiges Jonglieren
Solange einer von uns zu Hause ist, gibt es eine klare Aufteilung zwischen Arbeit und Kinderbetreuung. Doch sobald wir beide arbeiten, beginnt die eigentliche Herausforderung:
- Arbeitszeiten und Kita-Zeiten abstimmen
- Freizeitaktivitäten der Kinder koordinieren (Sport, Musikschule etc.)
- Einkaufen, Putzen etc.
- Eigene Interessen und Erholung nicht vergessen
Schon ein bisschen mehr Verkehr oder ein verspäteter Termin kann das fragile Gleichgewicht ins Wanken bringen. Besonders knifflig wird es, wenn die Kita anruft: „Ihr Kind ist krank, bitte holen Sie es ab.“ Dann fällt unser sorgfältig geplanter Tagesablauf wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
Ohne Großeltern in der Nähe – aber mit Teamwork
Wir haben keine Großeltern direkt vor Ort, die kurzfristig einspringen könnten. Deshalb müssen wir flexibel bleiben, Absprachen treffen und uns gegenseitig unterstützen. Mal bleibt einer von uns spontan im Homeoffice, mal müssen Termine verschoben werden. Es ist nicht immer einfach, aber wir haben gelernt, dass wir als Team am besten funktionieren.
Nicht jede Familie hat dieselben Möglichkeiten
Natürlich ist unsere Lösung nicht für alle Familien umsetzbar. Vieles hängt von der individuellen Situation ab: Wenn die Gehälter der Eltern stark unterschiedlich sind, kann es finanziell schwierig oder gar unmöglich sein, die Elternzeit gleichmäßig aufzuteilen. In manchen Fällen bleibt einem Elternteil gar nichts anderes übrig, als schnell wieder in Vollzeit zu arbeiten. Auch die Rahmenbedingungen des Arbeitgebers spielen eine große Rolle: Nicht jede Firma unterstützt mobiles Arbeiten oder Teilzeitmodelle. Manchmal ist eine Reduzierung der Stunden schlicht nicht möglich oder wird vom Arbeitgeber nicht gerne gesehen. Deshalb gibt es nicht die eine perfekte Lösung – jede Familie muss für sich herausfinden, was machbar ist und was am besten funktioniert.
Fazit: Die perfekte Balance gibt es nicht
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine ständige Herausforderung – und es gibt keine perfekte Lösung, die für alle passt. Wir haben für uns einen Weg gefunden, der uns sowohl Zeit mit den Kindern als auch berufliche Erfüllung ermöglicht. Doch das erfordert ständige Abstimmung, Flexibilität und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen.
Gleichzeitig wissen wir, dass nicht jede Familie die gleichen Möglichkeiten hat. Finanzielle Rahmenbedingungen, Arbeitgebervorgaben und persönliche Prioritäten spielen eine entscheidende Rolle. Deshalb ist es wichtig, sich nicht mit anderen zu vergleichen, sondern eine Lösung zu finden, die für die eigene Familie funktioniert.
Letztendlich geht es darum, eine Balance zu schaffen, die allen gerecht wird – den Kindern, der Partnerschaft und den eigenen Bedürfnissen. Und die darf sich mit der Zeit auch immer wieder verändern.

Hi, wir haben so ein ähnliches Konstrukt gewählt. Was ich besonders schwierig fand, dass jeder davon ausging, dass ich als Mann eben meine 2 Elternzeitmonate nehmen werde. Mein Umfeld war dann ganz schön erstaunt, dass wir die Elternzeit fast halb halb aufteilen. Zum Glück macht mein Arbeitgeber da mit und unterstützt uns.
Hi Thomas,
Ja das ging uns tatsächlich auch so. Da gehört dann schon auch Mut dazu als Mann dafür einzustehen 😉 danke für deinen Kommentar!